Donnerstag, 16. Juli 2009
Nach zwölf Monaten Indien kann ich wohl mit Fug und Recht behaupten, jetzt auch zu denen zu gehören, die „Auslandserfahrung“ haben. Mein Lebenslauf ist aufpoliert, ich bin sozialkompetent und sensibilisiert für kulturelle Unterschiede. Was das Herz jedes Personalchefs höher schlagen lässt, hat für mich kaum noch etwas mit den vergangenen Monaten zu tun. Was Politiker, Arbeitgeber oder auch Eltern für das ultimative Ziel so einer Auszeit im Ausland halten, scheint mir nun eher wie ein Beiprodukt. Sicherlich hat sich auch die eine oder andere „softskill“ eingestellt, während ich versuchte, mir mit Messbecher und Eimer die Haare zu waschen, doch rücken diese Dinge schnell in den Hintergrund, wenn es darum geht, sich in einen fremden Alltag einzufügen. Auf der einen Seite bedeutet das letzte Jahr für mich sehr viel mehr, als es die professionelle Rhetorik der Ausbildungsbetriebe und Universitäten auszudrücken vermag, doch auf der anderen Seite scheinen mir die Begriffe viel zu hochtrabend dafür, dass ich doch eigentlich einfach nur „da“ war.Ich habe mich mit viel Schweiß und so mancher Träne an die indische Kultur angepasst und eine Lebensweise angenommen, die nicht meine war. Ich habe einen Weg gefunden, indisch zu werden und dabei deutsch zu bleiben und zum Schluss habe mich auf der Mount Road in Madras mit der gleichen Selbstverständlichkeit bewegt, mit der ich hier durch die Breite Straße gehe. Indien ist mir ans Herz gewachsen, ich liebe das Land und ich werde definitiv eines Tages zurückkehren. Jetzt jedoch ist erst einmal Lübeck live angesagt. Deutschland und Indien sind so unterschiedlich, dass ein Vergleich unmöglich ist und so stolpere ich von einem Leben ins andere. Beinahe ist es, als sei ich nie weg gewesen, denn alles ist noch genauso vertraut wie früher. Neunzehn Jahre hinterlassen eben doch ihre Spuren. Natürlich stelle ich mir jetzt auch die Frage „Was hat mein Auslandsaufenthalt eigentlich gebracht?“ Habe ich tatsächlich „Entwicklungshilfe“ geleistet? Habe ich dort etwas verändert? Beides lässt sich ziemlich eindeutig mit „Nein“ beantworten. Das mag im ersten Moment eine schockierende Erkenntnis sein, aber irgendwo ist es auch einleuchtend, dass man bloß mit dem Abitur und einer Portion guten Willen, eben doch nicht die Welt retten kann. War also alles umsonst? Glücklicherweise kann ich das ebenso eindeutig mit „nein“ beantworten. Dieses Mal war ich diejenige, die von diesem Aufenthalt profitiert hat, doch eines Tages werde ich hoffentlich in der Lage sein, einen echten Beitrag zu einer gerechteren Welt zu leisten, der ohne diesen ersten Aufenthalt gar nicht möglich wäre.Jetzt freue ich mich einfach nur, wieder hier zu sein, auch wenn es nicht für lange ist. Das Weltenbummeln scheint sich bei mir zu einer chronischen Krankheit zu entwickeln.
Mit diesem letzten Eintrag möchte ich mich von Euch verabschieden. Ich habe mich sehr gefreut, meine Indien-Erlebnisse mit Euch teilen zu können und bedanke mich Euer Interesse.Mit herzlichen GrüßenEure Svenja
Sonntag, 28. Juni 2009
Ultimo-Beitrag Juli
Immer öfter wandern meine Gedanken nach hause. Meine Zeit in Indien neigt sich dem Ende zu und die letzten Tage zerschmelzen wie Eis in der indischen Sonne. Plötzlich stehen all die Sachen an, die ich im letzten Jahr mit den Worten „ach, das mach ich, bevor ich nach hause fahre“ aufgeschoben habe. Natürlich hätte ich früher anfangen können, mit meinen Vorbereitungen, aber warum sollte etwas, was ich seit Jahren an Weihnachten versuche, hier in Indien funktionieren? „Rechtzeitig anfangen“ und „Zeitmanagement“ sind hier wie immer die Zauberworte, aber erstens hatte ich es noch nie so mit der Zauberei, das überlasse ich lieber Harry Potter, und zweitens heißt „rechtzeitig“ doch eigentlich nicht viel mehr, als „zur rechten Zeit“ und sagt nichts darüber aus, dass am Ende nicht doch alles in Hektik ausartet. Und schließlich sind die letzten Tage vor der Abreise doch genau die richtige Zeit dafür, noch schnell Erinnerungsfotos zu schießen, Mitbringsel zu kaufen, die letzten Briefe zu verschicken, etc. Und wenn das bedeutet, dass ich in den nächsten Tagen tausend Dinge gleichzeitig erledigen muss, dann ist das eben so. Wenigstens bleibt mir dann nicht allzu viel Zeit zum Trübsal blasen. Denn auch wenn ich mich wirklich darauf freue, wieder nach Deutschland zurück zu kehren, so fällt es mir doch schwer, Indien zu verlassen. In den vergangenen Monaten habe ich hier ein zu hause gefunden, das mir ans Herz gewachsen ist und das Leben in Lübeck wird eine große Umstellung für mich sein. Keine gelb-schwarzen Rickshaws, keine Kühe auf der Straße, keine 24/7 Beschallung aus den Lautsprechern diverser Tempel, Moscheen und Kirchen, keine Mangos aus dem Garten. Dafür so exotische Dinge wie Erdbeeren mit Sahne, ein geregelter Straßenverkehr und dazu kühle 23 °C. Doch bis es soweit ist, gibt es noch viele Dinge, die ich bald zum letzten Mal tun werde: Mit den Kindern im Kindergarten spielen, mir von den Mädchen unverständliche Tamil-Songs beibringen lassen, mich in meinem Sari verheddern...
Doch die Welt ist groß und es gibt noch viele andere Orte, die es kennen zu lernen gilt. Leider kann ich mich nicht zerteilen, so dass ich in meinem Leben bestimmt noch viele weitere Male Abschied nehmen muss. Und so lange sich Abschiedsschmerz und Vorfreude die Waage halten, will ich mich nicht beschweren. Außerdem wird es eindeutig Zeit, dass ich nach Hause komme, schließlich darf ich als Kind dieser Küste die Travemünder Woche nicht verpassen.
Mittwoch, 3. Juni 2009
nun ist der Mai auch schon wieder herum. Meine Zeit in Mirjams Projekt in Pandur war großartig. Die Managerin ist ein Engel und Miri und ich hatten wie immer viel zu lachen. Besonders im Kontrast zum üblichen Verhalten der indischen Mädchen war es wahrscheinlich wirklich auffällig, dass wir immer lachend und kichernd durchs Dorf marschiert sind. Aber egal, lachen ist gesund und schließlich können wir nichts dafür, dass indische Mädels immer so einen gesitteten und wohlerzogenen Eindruck machen. :)
Am 29.05. habe ich mich dann auf den Heimweg nach Mayiladuthurai gemacht. Die Fahrt war lang, aber ereignislos. Zuerst ging es mit einer Sammel-Rickshaw von Pandur nach Tiruvallur. Dort sind wir dann in den Bus nach Chennai gestiegen. Am Central Busstand dort war dann großes Verabschieden angesagt, denn von da aus habe ich meine Reise alleine fortgesetzt und Miri ist zurück nach Tiruvallur gefahren. Von Chennai aus bin ich dann 8 Stunden durch die Pampa geschaukelt, bevor ich dann gegen 22.30 Uhr endlich wieder in meinem Projekt eingetrudelt bin. So hat die Fahrt incl. aller Wartezeiten geschlagene 11 Stunden gedauert. Ich sag ja immer: Indien ist groß.
Seit Montag arbeite ich wieder im Kindergarten, im dritten, den die TELC hier betreibt. Das ist noch mal eine schöne Abwechslung, denn die Kinder sind nochmal ganz anders als in Anbumalar, wo ich im April gearbeitet habe. Die Kinder sind sehr viel stiller und es gibt weniger Gezanke. Außerdem wird von den Betreuerinnen nicht die ganze Zeit Programm gemacht, sondern die Kinder spielen auch ohne das Eingreifen der Kindergärtnerinnen ganz wunderbar miteinander.
Einer der Hauptgründe, weshalb ich schreibe, ist aber folgender: Seit heute Morgen hat das Ladekabel meines Handys den Geist aufgegeben. Das heißt, mein treuer Begleiter taugt nun zu nicht viel mehr als zum Briefbeschwerer. Zuerst war ich so wütend, dass ich Kabel und Telefon am liebsten an die Wand geschmissen hätte, aber mittlerweile nehme ich das ganze sportlich. Ich habe schon immer befürchtet, dass ich viel zu abhängig von meinem geliebten Mobiltelefon bin. Jetzt bietet sich mir also die ultimative Gelegenheit, (hoffentlich) das Gegenteil heraus zu finden. Und außerdem bin ich in Abenteuerlaune. Da ich allerdings nicht auf so extremes Zeug stehe, wie einbeinig durchs Himalaya zu klettern, oder dergleichen, werde ich mich damit begnügen, die kommenden Wochen ohne Handy aus zukommen. Ehrlicherweise muss ich dazu sagen, dass das in Indien nicht sonderlich schwer sein dürfte. Sollte ich wirklich mal ein Telefon brauchen, hat so gut wie jeder Inder ein Handy, welches er mir sicher mit Freude leihen wird und sollte das nicht klappen, so kommt mir der Mangel an privaten Festnetz-Leitungen zu Gute. Dadurch, das kaum ein Haushalt ein eigenes Telefon besitzt, gibt es alle 10-20 m öffentliche Telefonapparate. An Busbahnhöfen ebenso wie im hinterletzten Dorf. Ich gehe also nicht wirklich ein Risiko ein, wie es sich für ein richtiges Abenteuer gehören würde, sondern verzichte lediglich auf die Möglichkeit, jederzeit irgendwen anzurufen, nur weil mir grad langweilig ist.
Ich bin natürlich auch weiterhin per Mail zu erreichen und freue mich auch ohne Handy immer, von Euch zu hören.
Freitag, 15. Mai 2009
Ultimo-Artikel für Juni 2009
In Tamil Nadu spielen die Naxaliten kaum eine Rolle und die Wahlen sind vergleichsweise ruhig abgelaufen. Am Wahltag waren die Geschäfte geschlossen und die Straßen waren weitestgehend verlassen. Es war, als hätten die Menschen ihren Alltag für einige Stunden angehalten um ihr Recht als mündiger Bürger auszuüben. Erst abends nahm das geschäftige Treiben auf den Straßen wieder zu.
Viele Inder sind der Meinung, dass dies seit langem die freisten und reibungslosesten Wahlen gewesen sind. Unlautere Methoden wie Geldgeschenke oder Einschüchterung sind nämlich leider keine Seltenheit, aber fast 25 Mio. Wahlpersonal haben offensichtlich Wirkung gezeigt.
Was mich immer wieder erstaunt, ist die wohl unbewusste, aber deutliche Trennlinie, die zwischen dem politischen System „Demokratie“, also der Gleichberechtigung aller Menschen, und der extrem hierarchischen Gesellschaft in Indien verläuft. Was auf uns wie ein Widerspruch wirkt, funktioniert für die Inder ganz wunderbar. Jeder hat das Recht seinen Wahlzettel in die Urne zu werfen und so an der Bildung der Lok Shaba, des indischen Parlamentes mitzuwirken. Im Umgang miteinander jedoch wird genau ermittelt, wer wo auf der gesellschaftlichen Leiter steht und damit auch, wer was darf bzw. nicht darf. Ein Lehrer darf sich über seine Schüler lustig machen, eine Mutter mit Söhnen darf stolzer auf ihre Kinder sein, als eine mit Töchtern und ein Regierungsangestellter kommt einem Halbgott gleich. Natürlich bezieht sich das nicht auf alle Lehrer/Mütter/Beamten, dennoch ist diese Verallgemeinerung in meinen Augen gerechtfertigt, denn solche Situationen gehören zur Tagesordnung. Zum Glück fallen mir dererlei Ungleichheiten noch auf, doch meistens bin ich die einzige, die sich darüber wundert. Doch so fremd und unangenehm mir das auch vorkommt, ich kann mittlerweile verstehen, dass in einer Gesellschaft, in der 80% der Menschen unterhalb der Armutsgrenze leben, jeder, der es „geschafft“ hat, dies auch zeigen möchte. Und das tut man eben durch die Zahl seiner Untergebenen.
Wahlversprechen gab es viele, was davon später in die Realität umgesetzt wird, ist ungewiss. Darin zumindest gleichen sich Deutschland und Indien.
Dienstag, 14. April 2009
ich habe mich schon seit einer Weile nicht mehr gemeldet und es ist Zeit für ein kurzes update.
Ich bin jetzt schon gut einen Monat in meinem neuen Projekt und es gefällt mir wirklich gut hier. Das letzte Wochenende haben wir in Pondicherry verbracht, einer 500 000 – Einwohner Stadt an der Küste. Pondicherry war früher französisch und auch heute sind noch viele Überbleibsel aus der Kolonialzeit zu entdecken. Viele Menschen dort sprechen Französisch, die Alliance Francaise (das französische Pendant zum Goethe-Institut) hat regen Zulauf und die Straßen haben französische Namen. Hinzu kommen die vielen Cafes, die Crepes, Croissants und echten Kaffee anbieten. Außerdem ist Pondicherry echt sauber, was man ja nun wirklich von den wenigsten indischen Städten sagen kann.
Ich habe die drei Tage dort sehr genossen, wir sind an der Promenade entlang spaziert und haben uns von den Wellen nass spritzen lassen. Wir haben uns Pizza bei Pizza Hut gegönnt (In Indien wirklich ein Luxus, eine Pizza medium -ungefähr die Größe einer kleinen Pizza in Deutschland- kostet umgerechnet fast 5 Euro) und sind ausgiebig shoppen gegangen. Das war wirklich ein tolles Wochenende und wenn es nach mir ginge, würden wir uns im Mai noch mal so einen Trip leisten.
Jetzt steht auch schon Ostern vor der Tür und die Zeit scheint wie im Flug zu vergehen. Dadurch, dass das hier ein kirchliches Heim ist, kommt dem Osterfest natürlich eine große Bedeutung zu. Seit Donnerstag ist ständig Gottesdienst, aber zum Glück mussten wir nicht daran teilnehmen. Der an Karfreitag ging mal eben 4 Stunden. Und da wir nichts verstehen, macht es auch nicht wirklich viel Sinn, wenn wir dabei sitzen. Am Sonntag sind Sira und ich auf einer Taufe eingeladen, darauf bin ich schon recht gespannt, aber auch ein wenig skeptisch. Die Menschen hier sind eben sehr gläubig und oft kann ich damit einfach nichts anfangen.
Letzte Woche Mittwoch war sozusagen Monatstag. Ich hatte noch auf den Tag genau 3 Monate in Indien. Manchmal erscheint mir das noch relativ lang, vor allem, wenn mich mal wieder irgendwas typisch indisches total stört. Gestern war das z.B. mal wieder der Dreck auf den Straßen. Ich versteh einfach nicht, wie die Inder so blind gegenüber den stinkenden Müllbergen auf der Straße sein können!
Aber auf der anderen Seite kommt mir die Zeit dann auch wieder kurz vor: Übernächstes Wochenende wollen wir noch mal nach Chennai. Das ist zwar jedes mal eine acht-stündige Busfahrt, aber das nehme ich gerne in Kauf, dafür, dass wir dort ein wenig westlichen Luxus genießen können. Mal wieder echten Kaffee, Pommes, eine Buchhandlung, ein klimatisiertes Zimmer... Hoffentlich klappt das, fest steht nämlich noch nichts.
So, das war's auch schon wieder von mir. Ich hoffe, Ihr seid alle wohlauf und genießt den Frühling.
Eure Svenja
Montag, 9. März 2009
Auf Safari im Kaziranga und erneuter Zwischenstopp in Kalkutta
So, jetzt folgt der naechste Teil meines Reiseberichtes. Der Kaziranga ist direkt am Brahmaputra, dem 2. heiligen Fluss Indiens nach dem Ganges gelegen. Dort angekommen stand dann auch relativ schnell die erste Safari an. Mit dem Bischof und dem Schatzmeister sind wir also in einen Jeep geklettert und im Schritttempo ging es dann durch brusthohes Gras in Richtung Regenwald. Schon nach wenigen Metern sahen wir das erste Nashorn. (Ein Panzernashorn, das Wappentier Assams, fuer die, die es genau wissen wollen). Bald darauf folgten Elefanten, Bueffel, Rehe, schwaze Stoerche, Eisvoegel und wieder Nashoerner. Das war schon beeindruckend. Am naechsten Morgen mussten wir dann um viertel vor fuenf aufstehen, da um halb sechs unser Elefant ging. Will heissen, die Elefanten-Safari ging um 5.30 uhr los. Auf dem Elefanten soz. durch die Steppe zu reiten war schon ein beeindruckendes Erlebnis, da wurde selbst der redseligste Tourist still und andaechtig. Wir sind dann so ca. 1,5 std durch die Landschaft geschaukelt und konnten die schon bekannten Nashoerner noch mal aus naechster Naehe betrachten. Und auch ein Sonnenaufgang vom Elefantenruecken aus mitzuerleben, ist nicht zu verachten. Alles in allem, ein wirklich schoenes Erlebnis und ich bin immer wieder beeindruckt, dass es Tiere wie Elefanten gibt.
So, jetzt muss ich auch schon wieder unterbrechen, denn es ist spaet geworden. Die naechsten Stationen waren dann Guwahati und wieder Kolkata, bevor es dann ueber Vizag nach Chennai, dem ehemaligen Madras ging. Aber davon ein anderes Mal.
Seid lieb gegruesst und bleibt behuetet, wie unser Sir Eberhard immer zu sagen pflegt.
eure elli
Sonntag, 8. März 2009
Hi everyone,
so, jetzt muss ich wirklich mal ein bisschen ausholen, sonst komme ich mit dem erzaehlen ueberhaupt nicht mehr hinterher.
Am 22.02 haben wir Semiliguda endgueltig verlassen. Vorher hatten wir noch 2 Abschiedsgespraeche eines jeweils mit Stanley und eines mit Sasi. Wir nennen es nur noch liebevoll erstes und zweites Tribunal. ^^ Stanley war wirklich verstaendnisvoll und hat unsere Entscheidung begruesst, weil Orissa eben wirklich nicht der sicherste Ort ist, aber dass es Dinge gibt, die darueber hinaus gingen, dass hat er nicht so recht zur Kenntnis genommen. DAs Abschiedsmeeting mit Sasi und den anderen Mitarbeitern war dann deutlich unerfreulicher. ich hbae mir noch nie von so vielen Leuten anhoeren muessen, was ich angeblich alles falsch gemacht habe. Ich haette kein Verstaendnis fuer ihre Besorgnis, waere undankbar.,.. naja, das war nicht sonderlich nett. Leider schien auch absolut keiner zu verstehen, was eigentlich unser Punkt war. Ich find es ja nett, dass sie sich um uns Sorgen machen, aber wenn es einfach nicht moeglich ist, dass wir rausgehen, weil das Risiko so gross ist, dann koennen wir da eben nicht laenger bleiben...ach was soll's, seit dem habe ich schon wieder so viele spannende Sachen erlbet, die 100x erfreulicher sind, so dass ich liebe davon erzaehle.
Wir sind mit dem Zug nach Bhubaneswar gefahren, haben dort eine Nacht uebernachtet, (wow, im Grand Central Hotel kriege ich mittlerweile Sonderkonditionen, weil das schon das zweite Mal war, dass wir uns da einquartiert haben) Dann sind wir weiter nach Puri gefahren, was allerdings mehrer Stunden in Anspruch genommen hat, da der Zug immer wieder mitten in der Pampa stehen geblieben ist. Aber so konnten wir auch ausreichend die indische Landschaft bewundern. bei gefuehlten 40 Grad wurde das aber schnell zu einem sehr klebrigen Unterfangen.
Von Puri haben wir dann ein Taxi nach Konnarak genommen, einer winzigen Stadt, die ausser dem beruehmten Sonnen-Tempel eigentlich nichts zu bieten hat. Wir hatten aber ein nettes Hotel und nach dem ganzen Stress in Semiliguda hatten wir ein paar ruhige Tage auch echt noetig. Das schoene am reisen in Orissa war, dass wir zumindest ein bisschen die Sprache konnten. ich habe in den paar Tagen mehr Oriya gesprochen, als im ganzen letzten halben Jahr bei WIDA zusammen. Ich habe mir sogar auf Oriya Schuhe gekauft (Sandalen, von denen ich ersteinmal die Metallblume entfernt habe, um sie ueberhaupt tragen zu koennen ;-) )
Gerade als es anfing, in Konnarak langweilig zu werden, haben wir uns auf den Weg nach Kalkutta gemacht. Den Nachmittag haben wir in Puri am Strand verbracht und mussten fuer diverse Fotos Modell stehen, denn wann gibt es schon mal drei weisse auf einmal...? Abends sind wir dann noch ein wenig durch die Strassen geschlendert und was den Touristen dort so als "indisch" verkauft wird, ist schon interessant. Vieles ist halt typischer Hippie-Kram, der wunderbar ins Amerika der 60er Jahre passt und auch sehr exotisch wirkt, aber indisch...ich weiss nicht.
Von Puri sollte eigentlich um 22:30 unser Zugnach kalkutta gehen, aber wie das eben so ist, kamen wir nicht vor 4:00 Uhr da weg. Zum Glueck konnten wir die Zeit in der klimatisierten Wartehalle fuer "Ladies" verbringen. Das ist zwar nicht ganz so abenteuerlich, aber wesentlich angenehmer. Nicht nur wegen den Temperaturen, sondern auch, weil man dort nicht ganz so oft angesprochen bzw. angestarrt wird. So auf der Strasse macht mir das nicht so viel, aber wenn ich irgendwo fuer laengere Zeit festsitze, dann wird es schon manchmal nervig.
Letztendlich sind wir dann doch noch in Kolkata (so der neue Name) angekommen. Was sind schon 6 Stunden Verspaetung?! Leider hatten wir so nur noch 1,5 Tage in dieser Riesenstadt. Dennoch sind wir erst einmal shoppen gegangen :-) Dafuer, dass wir nur so wenig Zeit hatten, haben wir recht viel gesehen, was sicher auch an unsere "persoenlichen" Stadtfuehrung lag. :-)
Von Kalkutta hatte ich vorher so viel widerspruechliches gehoert, dass ich echt gespannt war. Vorweg: Wie jede andere indische Stadt ist Kalkutta extrem chaotisch, sehr laut und unglaublich dreckig. Ja, auch die Armut, von der man immer wieder hoert, gibt es, aber nicht viel ausgepraegter als in Vizag oder Delhi oder so. Aber im Gegensatz zu anderen Staedten ist Kalkutta lange nicht so gesichtslos. Man merkt deutlich, dass sie lange Zeit die Hauptstadt war (waehrend des britischen Kolonialreiches) und so findet man dort von beidem sehr viel. Von Indien und eben auch noch von England. Irgendwie gehoert es dann auch dazu, dass der Verkehr typisch indisch-chaotisch ist und wenn man im Auto die Fenster offen hat, muss man sich gegen die Abgase am besten einen Schal vor Mund und Nase binden. Ohne das alles waere Kalkutta eben nicht Kalkutta. Mich hat die Stadt ein bisschen an Budapest erinnert, aber weniger wegen der vielen alten Gebaeude, sondern vor allem, weil ich auch hier das gefuehl hatte, noch einmal hierher zu kommen, um zu sehen, wie es ist, in der Stadt zu leben. Vielleicht mache ich ja mal ein Auslandssemester dort. oder mein post-grad oder so
Von Kalkutta ging es dann nach Assam, einen Bundesstaat ganz im Nordosten von Indien. Dort war ein Bischof unser Gastgeber, was schon ein bisschen komisch war, aber eigentlich war er super-nett. Den einen Tag haben wir eine Teeplantage besichtigt und die Fabrik besucht. Leider ist es noch zu frueh, um die Teeblaetter zu pfluecken, so dass wir die Maschinen nicht in Aktion gesehen haben. Dafuer hat der Manager persoenlich uns zu Tee und Snacks in seinen Bungalow eingeladen. Dort hatten wir ein nettes Gespraech mit ihm und seiner Frau, auch wenn es irgendwie ein wenig komisch war. Dort war alles so elegant und irgendwie wusste keiner was zu sagen. Ich habe mir verzweifelt Gespraechsthemen ausgedacht und schlussendlich aus lauter Verzweifelung sogar gefragt, ob er denn Cricket spiele...ja, frueher haette er viel gespielt, aber jetzt sei er auf Golf umgestiegen. Aber am Samstag sei im Club ein Crickettunier gewesen, die DAmenmannschaft gegen die Herrenmannschaft, da habe er mal wieder gespielt...koennt ihr euch ungefaehr vorstellen, was fuer Leute das sind? Davon abgesehen super-nett, aber eben nicht der Umgang, den ich gewoehnt bin.
Unsere naechste Station war dann der Kaziranga-Nationalpark, aber wie die Welt vom Ruecken eines Hathis (Elefnt auf Hindi) aussieht, das werde ich euch morgen schreiben.
Waehrend es bei euch jetzt erst viertel nach sieben ist, ist es hier schon fast Mitternacht und ich bin muede.
Liebe gruesse
gute nacht
eure elli
Donnerstag, 5. März 2009
heute mal nur ganz kurz vom Flughafen in Kalkutta. Wir sind gerade aus Assam wieder gekommen und so langsam neigt sich unsere Reise dem Ende zu. Morgen frueh gehts nach Vizag und dann kommen miri und ich in unsere neuen Projekte. Assam war super schoen. Ich bin auf Elefanten geritten, habe Nashoerner gesehen, mit dem Manager einer teeplantage und seiner Frau in dessen Bungalow Tee getrunken...In Indien kann man wirklich was erleben. Wirklich viel Zeit zum schreiben habe ich nicht, da wir gleich ein Taxi in die Stadt nehmen. Sollte irgendjemand von euch vorhaben, in naechtser Zeit mal nach kalkutta zu kommen, kann ich das YWCA absolut empfehlen... und Kalkutta ist sowieso absolut aufregend. Also, ueberlegt es euch.
ganz liebe Gruesse und bis bald
eure elli
Donnerstag, 19. Februar 2009
Fwd: Ultimo-Beitrag Maerz
Ultimo-Beitrag März:
Von Ziegenköpfen und anderen Unanehmlichkeiten
Bilanzieren, reflektieren, evaluiren.... nein, es handelt sich hierbei nicht um eine Hitliste intelligent klingender Fachbegriffe, sondern um die Inhalte meines Zwischenseminars. Alle weltwärts-Freiwilligen haben auf der Hälfte ihres Aufenthaltes ein ca. 5-tägiges Seminar währenddessen sie sich mit anderen Freiwilligen austauschen können, Anregungen für den weiteren Aufenthalt finden oder Probleme besprechen können.
Für meine Mitfreiwillige und mich bedeutete das eine Reise nach Neu Delhi und so machten wir es uns am 26.01.09 im Expresszug gemütlich, der für die nächsten zwei Nächte unser Zuhause sein sollte. So lange dauert es nämlich, wenn man auf den Schienen von Visakhapatnam nach Delhi gelangen will.
Es ist schon ertaunlich, über was man sich alles freuen kann. „Wow, Strom!" oder „Krass, heißes Wasser" waren nur eineige der Ausrufe, die man von den Seminarteilnehmern hören konnte.
Delhi lässt sich grob in Alt Delhi und Neu Delhi einteilen. Alt Delhi, das bedeutet, Rotes Fort, enge Gassen, Basare...kurz, das traditionelle indische Chaos, das für uns Europäer so nervenaufreibend ist. In Alt Delhi haben wir auch die Nama Masjid, die größte Moschee Indiens besucht. Ein wirklich beeindruckendes Gebäude aus rotem Sandstein inmitten eines Labyrinths kleiner überfüllter Straßen. Die Rufe der Händler vermischen sich mit den Klingeln der Fahrradrickshaws und erschrecktem Hühnergegacker zu einem unentwirrbaren Klangteppich, der wesentlich zum Flair dieses Viertels beiträgt.
Urgh! Ziegenköpfe auf 11:00 Uhr. Wer isst denn sowas? Bevor wir dem Fleischmarkt noch näher kommen, steigen wir lieber schnell in eine Autorickshaw. Das ist ein Indien, in dem auch ich mich nicht sehr gut auskenne. „Mein" Indien ist das von Buchsbaumhecken umsäumte Organisationgelände mit dem großen Eisentor vor der Einfahrt.
Während die anderen Freiwilligen mit leuchtenden Augen von ihren Projekten schwärmen, werfen meine Leidensgenossin und ich uns bekümmerte Blicke zu. Bis jetzt hatten wir uns erfolgreich eingeredet, es sei durchaus normal, dass man in einem Entwicklungsland nicht hinaus darf oder bei seinem Freiwilligendienst kaum Aufgaben hat, doch nun müssen wir erschreckt feststellen, dass das ganz und gar nicht der Fall ist. Mir wird klar, dass es falsch ist, meinen Freiwilligendienst als einjährige Durchhalteprobe zu betrachten und ich entschließe mich, mein Projekt zu verlassen.
Jetzt geht es mir besser. Ich hbae nicht die geringste Ahnung, wo ich ab der nächsten Woche sein werde, ja, ich weiß nicht einmal, auf welchem Kontinent ich dann bin. Finde ich ein neues Projekt in Indien? Oder kommen ich vorzeitig ins nass-kalte Deutschland zurück?
Was auch immer die Zukunft bringen wird, die lange Reise nach Delhi hat sich in vielerlei Hinsicht gelohnt.
Umzug, reisen und andere Neuigkeiten
so, jetzt ist es so gut wie offiziel. Miri und ich verlassen WIDA und gehen in neue Projekte im Bundesstaat Tamil Nadu. Dort gibt es zwei Kinderheime, eines in Pandur und eines in Mayoram. D.h. wir werden in verschiedene Projekte kommen. Wie es aussieht, werde ich nach Mayoram gehen, einer 40 000 Einwohner Stadt in ein Kinderheim mit rund 200 Kindern. Also relativ gross. Dort ist schon eine andere Freiwillige, mit der ich demnaechst mal Kontakt aufnehmen werde. Meine Aufgaben dort werden vermutlich so aussehen: morgens im Kindergarten helfen (also mit recht kleinen Kindern) und nachmittags die Schulkinder betreuen. Ich bin schon ganz aufgeregt, wie das dort wohl wird, ob ich mich mit dem anderen Maedchen verstehen werde, ob ich ein gutes Verhaeltnis mit den kindern dort aufbauen kann, etc... Aber etwas, was mir total wichtig ist, ist die tatsache, dass ich dort hinaus darf. Klar, im Dunkeln sollte man wieder zurueck sein, aber das ist hier ja ueberall so und ja auch durchaus verstaendlich. Aber stellt Euch vor: Dort werde ich das erste mal ein indisches internet-cafe betreten. etwas, was mir hier immer verwehrt gewesen ist, denn ich kann ja den Buero-pc nutzen, da braucht man ja nicht hinaus. Naja, Semiliguda ist einfach eine sehr politische Gegend und dort ist das offensichtlich anders.
Nachher haben wir noch ein Gespraech mit Eberhard und Stanley, so dass wir noch mal die Moeglichkeit haben, ein feedback zu geben. Vielleicht komme ich ja irgendwann noch mal hier her. wenn ich dann irgendwas sinnvolles studiert habe und noch mal ein best-practice-beispiel in Entwicklungszusammenarbeit brauche. Aber fuer jetzt ist es hier ersteinmal genug.
Die letzten tage waren sehr stressig. Eigtl wollten wir mit dem Zug nach Chennai fahren um Ebehrad und Margrit in Empfang zu nehmen. Tja, ich koennte jetzt stundenlang berichten, wie es dazu kam, dass wir letztendlich doch in einer Kingfisher-machine sassen und geflogen sind, aber das wuerde den Rahmen etwas sprengen. In Chennai waren wir mal wieder in einem super nobel Hotel untergebracht und am naechsten Tag sind wir in ein Dorf an der Kueste gefahren, das sie nach dem grossen tsunami wieder aufgebaut haben. Die Haeuser wurden eingeweiht und es gab eine riesige Feier. Am naechsten morgen sind wir dann auch schon wieder zurueck nach Vizag geflogen, weil dort eine weitere Feier anstand. Die hat sich dann als etwas laenger entpuppt, als eigtl geplant, so dass wir noch eine nacht dort verbracht haben und uns nicht gleich im mAnschluss auf die 5stuendige fahrt von Kotauratla nach Vizag gemacht haben. Da fast alle Hotels belegt waren, wurden wir in einem noch viel vornehmeren Hotel einquartiert und fuer indische massstaebe war das auch echt teuer. ca. 7000 Rupies fuer 3 leute in einem Zimmer. Zum Vergelich, in der Gandhi Peace Foundation in Delhi bezahlt man 500 Rupees. Wenn man es dann aber umrechnet, kommt man auf etwa 35 Euro pro Person und das ist dann ja wieder vertretbar. In einer deutschen Grosstadt haette man fuer so ein Zimmer locker 200-300 Euro bezahlt. Schon irgendwie krass.
Ich glaube, ich bin in den letzten 4 Wochen mehr geflogen, als im ganzen letzten jahr zuhause und es ist ja noch nicht zuende. Am 22.02. machen wir uns auf den Weg nach Puri, einer kleinen Stadt am Strand in der Naehe von Bubhaneswar und von da aus gehts weiter nach Kolkata. Dort nehmen wir den Flieger nach Assam, wo wir u.a. einen Nationalpark besuchen, bevor es dann wieder nach Vizag geht. Am 08.03 wir mirjams Mutter wieder nach hause fliegen und wenn alles klappt, werden wir uns auf den Weg in unsere neuen Projekt machen.
Das wird alles noch mal ganz schoen stressig und wenn ich nur daran denke, wie ich meine ganzen Sachen wieder in meinen Koffer kriegen soll, kriege ich Angstzustaende.
So, jetzt seit ihr wieder auf dem neusten Stand. ich weiss nicht, ob ich unterwegs die Moeglichkeit habe, ins internet zu gehen, falls nicht, werdet ihr vermutlich rest wieder von mir hoeren, wenn ich dann schon in Tamil Nadu bin.
Ganz liebe Gruesse
eure Svenja
Samstag, 17. Januar 2009
Ultimo-Artikel Februar schon mal vorab
Februar. Halbzeit. Bergfest.
Zeit für einen Rückblick und eine kurze Zwischenbilanz. Um die vergangenen Monate einmal Revue passieren zu lassen, habe ich in meinen Tagebüchern geblättert und einige kennzeichnende Sätze herausgesucht.
18.08.08: Ankunftsschock überwunden. Alles ist spannend und aufregend.
24.08.08: Gestern wurde der Führer des Welt-Hindu-Rates ermordet. Wir dürfen den Campus nicht verlassen.
07.09.08: Komme mir nutzlos vor. Will endlich eine Aufgabe haben.
02.10.08: Unterwegs nach Visakhapatnam, der Verkehr ist mörderisch.
25.10.08: War ein Jahr schon immer so lang, oder kommt mir das nur so vor?
01.11.08: Ich hasse Ameisen! Vor allem, wenn sie in meinem Tee. Schwimmen.
26.11.08: Bangalore: Die erste Pizza nach vier Monaten, ein Traum.
13.12.08: Warum klauen die Postbeamten eigentlich immer die Schokolade aus meinen Päckchen? Das ist doch nicht fair!
01.01.09: Komisch. Mit den Feiertagen im Rücken fühlt sich mein Aufenthalt irgendwie anders an.
10.01.09: Seminar zu „Frieden und Entwicklung“ in Bhubaneswar, der Hauptstadt von Orissa. Wow, und ich bin dabei!
28.01.09: „Heute hier, morgen dort“ Es geht nach Delhi zum Zwischenseminar für Freiwillige
Bei dem Versuch, eine Bilanz zu ziehen, stoße ich immer wieder auf ein und die selbe Frage: Wie lässt sich sich so ein Aufenthalt messen? Die Unterteilung in Monate oder Wochen ist nicht sehr aussagekräftig, denn noch nie ist mir Zeit so subjektiv vorgekommen. Ein Tag fühlt sich an wie eine halbe Ewigkeit, Wochen schrumpfen manchmal zu Stunden. Ich muss also andere Maßstäbe finden. Vielleicht geben folgende Zahlen ein wenig mehr Aufschluss ueber die Dimensionen, die ein halbes Jahr annehmen kann. Ich habe
Ø durchschnittlich 25 Std. in der Woche gearbeitet
Ø 370 Seiten Tagebuch geschrieben
Ø 23 Bücher gelesen
Ø rund 90 Kg Reis gegessen
Ø 118 Stunden im Zug verbracht und dadurch
Ø 4 Großstädte kennengelernt (Visakhapatnam, Bangalore, Bhubaneswar, Neu Delhi)
Ø 16 Dörfer besucht
Ø ca. 175x über die Landschaft gestaunt
Ø ca. 11x ausversehen auf Chili gebissen
Ø und unendlich oft an Zuhause gedacht.
Ich muss damit leben, nicht alleine hinaus zu dürfen und höchstens einmal die Woche einkaufen zu können, in Begleitung, versteht sich, habe Arbeit erfunden, wo keine war, (Z.B. bringen wir jetzt monatlich einen Newsletter heraus, in dem wir über unsere Organisation und ihre Projekte berichten.) esse mit den Fingern und habe gelernt, wie man einen Sari wickelt. Indien hat mir meinen Aufenthalt bis jetzt nicht immer einfach gemacht, doch auch das ist eine gute Erfahrung.
„Seltsamer und seltsamer“ sprach Alice, als sie ins Wunderland kam. „Seltsamer und seltsamer“ denke auch ich mir so manches mal, seit ich in Indien bin.
Dienstag, 13. Januar 2009
Bhubaneswar
Mittwoch, 7. Januar 2009
jetzt werde ich Euch doch noch mal ein bisschen ausfuehrlicher von unserer Dorfuebernachtung erzaehlen. Einiges steht ja schon im Ultimo-artikel und es ist auch schon eine Weile her, aber sicher ist es trotzdem noch interessant, mal zu lesen, wie es in so einem Dorf zugeht.
Der Plan sah so aus, dass wir eine Nacht auf einem Dorf verbringen sollten. Chikalmari war angeblich unser Ziel. Super, dachten wir. Das kennen wir schon und da ist auch das Brueckenkurs-Camp der Jungen und zu Annemarie ist es von da aus auch nicht weit.
Tja, Pustekuchen. Kurz vor Abfahrt haben wir dann heraus gefunden, dass es nicht nach Chikalmari geht, sondern nach Chiklamari (man beachte die Position des L). Chiklamari ist eines der Doerfer die von Gideon betreut werden, was einer der Gruende war, warum wir gerade dort uebernachten sollten.
Am Samstag Nachmittag haben wir uns also auf den Weg gemacht. Leider hatte es morgens angefangen zu regenen, so dass die Wege immer schlechter wurden, je weiter wir in die Berge kamen. Irgendwann war die "Strasse" nur noch eine verschlammte Lehmpiste, links ging es steil bergab und rechts ebenso steil bergauf. Ich hatte schon befuerchtet, wir muessten aussteige und zu Fuss weitergehen, aber es ist schon erstaunlich, was ein Auto hier so alles bewaeltigt. Irgendwann waren wir dann so hoch, dass wir mitten durch die Wolken gefahren sind. Auch als wir im Dorf ankamen, war alles grau und die Dorfleute standen in dicken Nebelschwaden.
Wir wurden dann schnell in der Huette der Dorffuehrerin einquartiert, eine kleine Lehmhuette mit 3 Raumen. Einem Wohnraum, einem kleinen Schlafraum und einer Kueche.
Tja, wir hatten dann nachmittags noch ein kurzes Meeting mit den Mitgliedern der Frauengruppe des Dorfes, aber die juengeren Frauen waren total schuechtern und haben sich nicht einmal getraut, sich vorzustellen. Aber zumindest die etwas aelteren haben uns viele interessante Sachen ueber ihr Dorf erzaehlt.
Zum Abendessen wurde dann der Hahn der Familie geschlachtet und ich habe mich wirklich bemueht, das herunter zu kriegen, aber da war auch gar kein Fleisch, sondern bloss Knochen, Knorpel und Fett. Ich habe wirklich mein bestes gegeben, aber das konnte ich einfach nicht essen. Naja, dazu gab es noch einen riesen Berg Reis, so dass ich nach der Haelfte einfach gestoehnt habe, ich sei ja schon soooo satt. keine Ahnung, ob sie das durchschaut haben, aber beleidigt schienen sie zum Glueck nicht zu sein.
Naja, wir haben uns dann noch gegenseitig etwas vorgesungen...ja, wirklich. Die Inder singen ja in voellig anderen Stimmlagen, so dass sie hoffentlich nicht gemerkt haben, dass bei unserer Darbietung hoechstens jeder dritte Ton stimmte.
Gegen halbzehn sind wir dann auch ins Bett gekrochen. Oder besser, es wurden fuer uns die Matten auf dem Boden ausgerollt, auf die wir uns dann mit unseren Schlafsaecken gelegt haben. Miri und ich haben mit der Tochter der Familie im Wohnraum geschlafen, waehrend Gideon und unser Fahrer mit dem winzigen anderen Raum vorlieb nehmen mussten.
DAs war fast ein bisschen unwirklich, da auf dem Lehmboden zu liegen und neben einem die Huehner in ihren Koerben rascheln zu hoeren. Die verbringen ihre Naechte naemlich auch in dem Wohnraum.
Erst hatten wir Angst, dass es nachts tierisch kalt wird und hatten und ganz dick angezogen, aber ich bin nachts mehrmals aufgewacht, weil mir so warm war. Aber gut, mit so vielen Leuten auf engem Raum ist das ja auch kein Wunder.
Am naechsten Morgen um 4 haben uns dann die Haehne des ganzen Dorfes geweckt und um sechs sind wir dann auch aufgestanden. Ein paar maedels haben wohl erkannt, dass wir draussen nach einer Wasch- bzw. Zaehneputzgelegenheit suchten und haben uns dann ca 300 m durch den Gemuesegarten zu einer Pumpe gefuehrt. Allerdings hatten wir uns zum Zaehneputzen abgekochtes Wasser von hier mitgenommen und natuerlich auch Zahnpasta. Die haben schon sehr komisch geguckt, als wir da so mit dem weissen Schaum im Mund standen. Sie selbst benutzen fuer die Zahnpflege kleine Zweige.
Naja, nach einem kleinen Fruehstuck sind wir dann auch schnell wieder gefahren. Allerdings haben sie uns zum Abschied noch einen Hahn geschenkt. Der sass dann die ganze Rueckfahrt ueber im kofferraum und hat jaemmerlich vor sich hin gekraechzt. Ich fuerchte, er ist bei Sarola im Kochtopf gelandet, aber haetten wir ihn behalten koennen, haette er eine Schleife um den Hals bekommen und Martin geheissen. :-)
Wir waren echt froh, als wir dann so gegen 10 uhr am Sonntag morgen wieder zurueck waren. So eine Wassertoilette ist schon was gutes. Dort gab es naemlich nur einen lehmigen Acker direkt neben dem Dorf und nachdem ich den einmal benutzt hatte, habe ich mich relativ schnell dazu entschlossen den Rest der Zeit lieber die Beine zusammenzukneifen. ;-) Was haben wir das gut mit Elektrizitaet und fliessend Wasser.
Irgendwie war die ganze Aktion ein wenig absurd, weil es mir die ganze Zeit ueber einfach nur komsich vorkam, dass die Menschen wirklich dort so leben. Jetzt weiss ich zumindest, was ich an meinem Bad mit meinen 2 Plastikeimern habe.
So, jetzt habe ich euch genug von meinem Abenteuer berichtet. ich hoffe, Ihr konntet ab und zu ein wenig schmunzeln, Miri und ich haben es jedenfalls mit Humor genommen. ;-)
Dienstag, 30. Dezember 2008
mein Geburtstag
Hallo hallo,tja, eigentlich hatte ich ja vorgehabt, meinen Geburtstag zu uebergehen und nur mit Miri eine extra-Kanne Tee zu trinken, da ich davon ausging, dass niemand mein Geburtstdatum wuesste. Nun ja, der Plan ist nicht ganz aufgegangen...wie das aussieht, koennt Ihr ja auf den Fotos erkennen.
Ich wuensche Euch einen guten Rutsch und ganz viel Frohsinn (tut mir leid, ein zeitgemaesseres Wort faellt mir grad nicht ein fuer das, was ich Euch wuensche) ;-)







3)Pause, im Baum hinter Miri und Supriyo turnen die Affen





